Rückblick: „Kirche im Gespräch“
Wer in der Kirche das
Sagen hat:
Der Pfarrer allein oder alle?
Beim einer der letzten Treffen der Gruppe
„Kirche im Gespräch“ setzten die Teilnehmer ihre Auseinandersetzung mit
dem Impulspapier „Kirche der Freiheit“ der Evangelischen Kirche in
Deutschland fort und lasen von den „Leuchtfeuern“ kirchlicher Zukunft
über die Arbeit der Ehrenamtlichen und der Pfarrer in der Kirche. Sie
sprachen über die Bedeutung des Pfarrerberufs und der nicht theologisch
ausgebildeten Christen.
Martin Luther widersprach der These,
der Pfarrer sei der einzige, der er in die Bibel schaut und sagt, wo's
langgeht. Luther sprach vom "allgemeinen Priestertum" aller Christen.
Jeder Getaufte solle seine Gaben und Talente dafür einsetzen, seinen
Nächsten so zu lieben wie sich selbst. Die Diskutierenden fanden das
Bild von der Gemeinde als den Schäfchen und vom Pfarrer als dem Hirten
missverständlich und nicht mehr aktuell. „Zur Gemeinde gehört der
Autoschlosser, der Verkäufer, der Betriebswirt, sie haben nicht
Theologie studiert. Dafür ist der Pfarrer weder Autoschlosser noch
Verkäufer noch Betriebswirt, was nicht ausschließt, dass er auch davon
etwas weiß und kann.
Der Pfarrer ist der, der uns die
Worte der Bibel nahe bringt, so dass wir sie besser verstehen. Jesu
Gleichnisse waren für die Zeit vor 2000 Jahren gedacht. Da muss manches
übersetzt werden. Dazu gehört theologisches Fachwissen.“ So beschrieb
ein Diskussionsteilnehmer die Bedeutung des Pfarrers. Ferner sei der
Pfarrer ein Generalist: Er habe den Überblick. Wenn nötig, delegiere er.
„Und er koordiniert. Oft ist er Tür und Brücke, er vermittelt einen
Überschuldeten zur Schuldnerberatung, einen Süchtigen in die
Suchtberatung und einen Vereinsamten in einen Kreis netter Leute. Dazu
braucht er Einfühlung, Fingerspitzengefühl und jenes gewisse Etwas, das
Mut macht, wir nennen es Gottvertrauen“, so würdigten die Anwesenden
die Bedeutung des Pfarrerberufes heute und ergänzten: „Das Gottvertrauen
aber braucht jeder von uns, und deswegen sind wir alle im Grunde
Priester.“